Sassi Grossi 2005

DOC Ticino, Gialdi, Mendrisio
Rubrik: Klasseweine
Trauben: 100% Merlot
Jahrgang: 2005
Preis: Ca. CHF 80.–
Degustiert: 4/2020
Freudiger: Verheissungsvolles, dunkles Purpur. Verhaltene, sehr kühle Nase, an Bordeaux erinnernd. Von Beginn weg sehr dicht, extraktreich und substanziell, aber eher wenig Frucht. Erste Reifetöne. Lässt seine Klasse erahnen, scheint aber in einer eher schwierigen Phase zu sein. Am Schluss kommen Panzerfaust-Gerbstoffe, die nach weiterer Lagerung verlangen, aber nicht so recht zu den ersten Tertiäraromen passen wollen. Andererseits: Wenn sich das findet, wirds richtig gut.
Gesamturteil: Aktuell eher unzugängliche Ticino-Ikone; Potenzial für 18+/20
Kaletsch: Dunkles Purpurrot. Überraschend reife Nase mit etwas Frucht und vielen animalischen Tertiäraromen: Leder und Tabak. Am Gaumen überzeugt die brillante Struktur: sehr dicht und extrahiert, aber dank filigranen Gerbstoffen und stützender Säure äusserst homogen und schier unendlich lang. Hier stört nichts, aber die Aromatik überzeugt aktuell nicht auf der ganzen Linie.
Gesamturteil: Hat er den Peak bereits erreicht? 18–/20
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Litina Barbera d'Asti 2016

Cascina Castlet, Maria Borio, DOCG Barbera d’Asti Superiore, Costigliole d'Asti
Rubrik: Alltagsweine
Trauben: 100% Barbera
Jahrgang: 2016
Preis: Ca. CHF 16.–
Degustiert: 4/2020
Freudiger: Düsteres Schwarzkirschenrot. Komplexe, expressive Nase mit (hellen!) Kirschen. Sehr frischer und ausserordentlich sinnlicher Start mit saftiger, eher rotfruchtiger Aromatik. Etwas später zeigen sich ein paar Ecken und Kanten, daher täten wohl noch ein, zwei Jahre Lagerung gut. Der Wein ist eher auf der schlanken Seite, strotzt aber vor Lebendigkeit. Maria Borios gesamte Barbera-Range ist jederzeit eine Degustation wert.
Gesamturteil: Grosses Barberavergnügen zum kleinen Preis: 17/20
Kaletsch: Dunkles, ins Violettschwarze ziehendes Rot. Sehr frische, jugendliche Nase mit paketweise Primärfrucht. Auch am Gaumen sehr intensiv: kernige, fast grasige Gerbstoffe und eine breite, gefällige Aromatik. Wirkt trotz 15% Alkohol nie gekocht oder alkoholisch. Ein Wein, der einfache Lebensfreude ausstrahlt und nichts vorgaukelt.
Gesamturteil: Idealer Essensbegleiter: 16/20
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Visperterminen 2000

St. Jodern Kellerei Visperterminen, AOC Wallis
Rubrik: Alltagsweine
Trauben: Gamay, Pinot Noir, Diolinoir
Jahrgang: 2000
Preis: Ca. CHF 17.–
Degustiert: 4/2020
Freudiger: Dunkles, erstaunlich jugendliches Granat mit aufhellenden Rändern und braunen Reflexen. Zunächst typischer Pinot-Duft, Waldbeeren, nasser Hund. Am Gaumen klar über den Berg, kaum noch Frucht, dafür Todessüsse. Leder, Waldboden und nasses Laub. Keine Spannkraft und auch keine Länge mehr.
Gesamturteil: Für Freunde des Morbiden: 14/20
Kaletsch: Besorgniserregende orangebräunliche Farbe. In der Nase setzt sich die Befürchtung des Scheintots fort: etwas Holz, dazu teils unangenehme Tertiäraromen. Am ehesten mit einem (zu) alten Pinot Noir vergleichbar. Am Gaumen dann die Offenbarung: genügend Extrakt und Säure, überraschend stabile Struktur und eine überzeugende Balance. Der Wein, der wohl am ehesten dem heutigen «Mitra» entspricht, hat den Peak überschritten, aber die 20 Jahre dank guter Vinifikation (Barrique!) einigermassen verdaut. Schade nur, dass die Fruchtaromen komplett fehlen.
Gesamturteil: Wenn nur das Bouquet besser wäre... 14,5/20
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Hermitage 1995

E. Guigal, Château d’Ampuis, AC Hermitage
Rubrik: Klasseweine
Trauben: 100% Syrah
Jahrgang: 1995
Preis: Ca. CHF 70.–
Degustiert: 4/2020
Freudiger: Das zart schimmernde Rot zeigt bereits im Glas ein würdevolles Alter an. Es entströmen ihm Düfte nach dunklen Früchten und Herbstlaub. Am Gaumen dann noch mehr Tertiäraromen, ein Herbstspaziergang im Wald, daneben viel dunkle Frucht und Lakritze. In der Mitte herrlich süss. Alles ziemlich dicht und straff, nur ganz leichte Altersbeschwerden. Säure noch präsent, im mittellangen Abgang tummeln sich sogar noch ein paar Tannine. Insgesamt der Eindruck einer erstaunlichen, vielleicht etwas müden Leichtigkeit.
Gesamturteil: Grosses Rhône-Kino, leicht over the top: 18/20
Kaletsch: Mittleres Rubin. Zurückhaltend-aristokratische Nase mit rosinigen und kernigen Anklängen. Am Gaumen die typische Rhône-Syrah-Aromatik: mineralisch mit getrockneten roten Früchten und grünen Kräutern. Präsente Gerbstoffe, die nie stören und den Wein noch frisch und jugendlich wirken lassen. Ein toller Hermitage, der ohne Extraktionsexzesse auskommt und trotzdem (oder gerade deswegen) in allen Belangen überzeugt.
Gesamturteil: Gekonnt ist gekonnt: 18+/20
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Crescendo 2012

Ticino DOC, Mike Rudolph, Tenuta San Giorgio, Cassina d’Agno
Rubrik: Klasseweine
Trauben: 100% Merlot
Jahrgang: 2012
Preis: Ca. CHF 35.–
Degustiert: 4/2020
Freudiger: Dunkles Purpur. Superklassische Merlot-Duftorgie mit reifen Brombeeren und Cassis sowie klaren Holznoten. Am Gaumen durchaus füllig und trotzdem elegant. Etwas hellere Früchte, dazu Schokolade und recht heftige Eichenholzaromatik. Mittlere Struktur. Schöne Gerbstoffe, die ganz am Schluss klar signalisieren, dass man noch zwei, drei Jahre warten sollte.
Gesamturteil: Der hedonistischste von Mike Rudolphs Merlots: 17,5/20
Kaletsch: Dunkles Purpurrot ohne Altersspuren. Ein Bouquet zum Reinbeissen: rauchiges Toasting und viel üppige Frucht. Richtig – excusez l’expression – «geil»! Am Gaumen dann nicht so extrahiert wie erwartet: die Dichte und die aromatische Intensität fehlen etwas, die kernigen Gerbstoffe vermitteln einen Schuss Rustikalität. Kein Wein für Liebhaber dichter oder finessenreicher Weine, aber ein echter Mike Rudolph!
Gesamturteil: Gekonnter Barrique-Einsatz: 17/20
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Steiner Chasselas BSA non 2017

Schernelz Village, Sabine Steiner, Bielersee AOC, Ligerz
Rubrik: Alltagsweine
Trauben: 100% Chasselas
Jahrgang: 2017
Preis: Ca. CHF 14.–
Degustiert: 4/2020
Freudiger: Sattes Gelb. Verhaltene Nase mit etwas Birne. Cremiger und erstaunlich mundfüllender Auftritt. Erneut Birne und etwas Zitrusfrucht. Durchaus strukturiert, aber es fehlt etwas an Substanz. Der unterbundene Säureabbau («BSA non») zeigt sich in einer strahlenden, aber keineswegs aggressiven Säure. Ganz am Schluss tänzelt eine leichte Bitternote über die Zunge. Insgesamt ein erfrischender Wein der eher leichten Sorte.
Gesamturteil: Klassischer Apérowein ohne grosse Ansprüche: 15/20
Kaletsch: Mittelhelles Gelb mit honigfarbenen Anklängen. In der Nase typisch Chasselas: frisch, mit deutlicher Hefe- und feiner Lindenblütenaromatik. Am Gaumen gefällig und rund: gut spürbare, aber nie spitze Säure. Mittellang und schön ausbalanciert, aber ohne Intensität und Breite. Für den einfachen Genuss ohne elitäre Tiefenexzesse.
Gesamturteil: Sehr sortentypischer Bielersee-Chasselas: 15+/20
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Radici bianco 2017

Fiano di Avellino DOCG, Mastroberardino, Campagna
Rubrik: Klasseweine
Trauben: 100% Fiano
Jahrgang: 2017
Preis: Ca. CHF 22.–
Degustiert: 2/2020
Freudiger: Helles Gelb mit leichten Grünreflexen. Auch in der Nase zarte grüne Klänge, daneben weisse Früchte und etwas Rauch. Am Gaumen sehr gut strukturiert mit tollem Trinkfluss, ungemein frisch und knochentrocken. Ein unerwartet langer Abgang, der andeutet, dass da noch etwas kommen könnte. Aber schon jetzt sehr schön, nicht nur zum Apéro!
Gesamturteil: Eine süditalienische Sorte zum Entdecken: 16/20
Kaletsch: Helles Gelb mit leicht orangefarbenen Reflexen. Sehr frische, jugendliche und fruchtige Nase mit Zitrusaromen und Birne. Am Gaumen eine stimmige Struktur – keinerlei störende Noten. Trocken vinifiziert und alles in allem ein komplexer Wein, der seine erste Zugänglichkeit zeigt, aber noch zulegen wird.
Gesamturteil: Wer sich auf ihn einlässt, wird belohnt: 17/20
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Iselis Rosso 2009

Isola die Nuraghi IGT, Argiolas, Serdiana, Sardegna
Rubrik: Klasseweine
Trauben: Bovale, Monica, Carignano
Jahrgang: 2009
Preis: Ca. CHF 25.–
Degustiert: 2/2020
Freudiger: Gereiftes Rot ohne jeden Firn. Dem Glas entströmen Aromen, die an Syrah denken lassen. Im Mund dann unglaublich stoffig, sehr dicht gewoben, eine Fruchttapete, die von Kokos-Mocca-Fäden zusammengehalten wird. Einzig die etwas gar marmeladig wirkenden, eingekochten Früchte lassen an Süden denken (einen Moment lang vermutete ich blind Bandol!), der Wein hat aber definitiv internationales Format. Die herrlich rollenden Tannine deuten weitere Reserve an; insgesamt aber perfekt trinkreif.
Gesamturteil: Preis-Leistungs-Verhältnis der Superlative! 17/20
Kaletsch: Dunkles Rubin. Sehr würzige, verführerische Nase mit gekochten Beeren und Tabak, fast schon marmeladig. Am Gaumen endet die Schwelgerei: noch immer sehr präsente Tannine, die dem Wein zwar zusammen mit der Säure eine beeindruckende Länge verleihen, ihn aber am Ende etwas hart machen. Mokka- und Teernoten. Für einen Weltklassewein fehlt es etwas an Dichte, aber die Aromatik dieses Blends hat etwas! Die Gebrüder Argiolas sind Meister ihres Fachs.
Gesamturteil: Flaschenreifung zahlt sich aus! 17+/20
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La Digoine 2015

Bourgogne Côte Chalonnaise, Domaine de Villaine, Bouzeron
Rubrik: Klasseweine
Trauben: 100% Pinot Noir
Jahrgang: 2015
Preis: Ca. CHF 25.–
Degustiert: 2/2020, eingereicht von Robert Bayard
Freudiger: Dunkles Rubin mit Violettreflexen und leichter Trübung. Sehr schöne, klassische Pinot-Noir-Nase mit verführerischen Waldbeeren. Stoffig, trinkig, gute Fruchtsüsse mit Himbeeren und dunklen Früchten, dazu ein stützendes Säurerückgrat. Charaktervoll, harmonisch mit charmantem Abgang. Ein unkomplizierter Trinkspass für Burgund-Fans und vor allem solche, die es werden wollen.
Gesamturteil: So macht Burgund Freude! 16/20
Kaletsch: Mittleres Purpur. Sehr einnehmende rotbeerige Nase (Himbeeren!) mit zurückhaltendem Toasting. Absolut sortentypisch. Am Gaumen setzt sich der Eindruck fort: überzeugende Struktur und perfekte Balance, ein homogener, mittellanger Burgunder mit erster Reifesüsse. Obwohl die Besitzer Pamela und Aubert de Villaine gleichzeitig Co-Eigentümer der legendären Domaine de la Romanée-Conti sind, ist dieser Wein nicht extrahiert und komplex, sondern gefällig.
Gesamturteil: Seriös und charmant. 17,5/20
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Chardonnay Schott 2014

Peter Schott, Bielersee AOC, Twann
Rubrik: Klasseweine
Trauben: 100% Chardonnay
Jahrgang: 2014
Preis: Ca. CHF 25.–
Degustiert: 2/2020, eingereicht von Yves Beck
Freudiger: Sattes Gelb mit Bernsteinreflexen und etwas Reifefirn. Deutliche Rauchnoten in der Nase, dazu etwas Quitte. Am Gaumen viel Substanz, mit gelber Frucht und weissem Tee, druckvoll, in Ehren gealtert und von einer wunderschönen Säure zusammengehalten. Recht langer Abgang. Der Wein präsentiert sich aktuell in perfekter Trinkreife.
Gesamturteil: Bielersee vom Könner für Kenner. 17/20
Kaletsch: Helles Strohgelb mit minimalem orangen Reflexen. Sehr frisches Bouquet im klassischen Chardonnay-Stil (blind für einen Burgunder gehalten) mit Frucht und etwas Feuerstein. Steht noch immer unter dem Eindruck des gelungenen Barrique-Ausbaus (Toasting), den der Wein aber gut verträgt. Am Gaumen eine frische Säure und eine brillante Balance. Viel Substanz, eine beeindruckende Länge und im Abgang sogar leicht salzige Noten. Top-Vinifikation!
Gesamturteil: Ein Chardonnay internationaler Klasse. 17,5/20
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Devia

Low temperature distilled, 32%, Hello-Devia, Biel
Trauben: – (Basilikum)
Jahrgang: Early 2020 batch
Preis: CHF 49.– (70cl)
Degustiert: 2/2020, eingereicht von hello-devia.ch
Freudiger: Sehr helles, durchscheinendes Grün. Dem Glas entströmen angenehm herbale Noten: Fenchel, Thymian, Sternanis, aber auch eine Andeutung von Honig. Im Geschmack ist Devia sehr sauber und reintönig, auch wenn man nicht weiss, was man trinkt. Auch hier wird man an Herbales erinnert: Pfeffer, Brennessel, Salbei, die Triebe junger Tomaten. Dazu kommen sehr klare und sehr frische Noten von Pfefferminz und Eukalyptus. Gegen Schluss befeuert eine äusserst anregende Bitternote den Trinkfluss. Mit Sicherheit ein toller Partner für Drinks.
Gesamturteil: : Auch pur genossen ein geheimnisvolles Vergnügen.
Kaletsch: Transparentes, helles Grün mit bläulichem Einschlag. Sehr kräuterige Nase mit Lavendel, Anis, Tannentrieben und sogar Pfefferminze, in der Aromatik am ehesten mit Absinthe vergleichbar. Am Gaumen medizinal, aber deutlich weniger scharf als Absinthe. Spannende Aromatik mit Süssholz, Lakritz und Bärlauch, die auch an ein Pesto erinnert. Im Abgang gefällt die Bitternote, die Devia sowohl zum Apéritif-(Mix)Getränk, als auch zum Digestif prädestiniert.
Gesamturteil: Pesto zum Trinken: just try!
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Cabernet Sauvignon Alter Satz 2012

Weingut Amsee, Burgenland, Pirker/Preisinger, Gols
Rubrik: Klasseweine
Trauben: 100% Cabernet Sauvignon
Jahrgang: 2012
Preis: Ca. CHF 45.–
Degustiert: 2/20, eingereicht von Guy Lorétan
Freudiger: Tiefdunkles Rot. Die Eukalyptus-Gummibärchennase lässt zunächst Übersee vermuten. Das scheint bestätigt zu werden durch eine etwas gar ausladende Marmeladigkeit, die an einen (grossen!) Aussie-Shiraz denken lässt. Aristokratische Klasse, stoffige Eleganz, holzgeprägte Dichtheit. Vor allem in der Mitte etwas gar viel Holz, kompromisslos modern vinifizierter Cabernet. Aber in diesem Fall lässt man sich das gern gefallen…
Gesamturteil: Gewaltiger Stoff 19-/20
Kaletsch: Tiefdunkles Rubinrot. Intensive Barrique-Nase mit viel schwarzbeeriger Frucht, Schokolade, Tabak, Kräutern, Minze und Eukalyptus, leicht ätherisch. Am Gaumen jugendlich und unglaublich dicht. Ein Wein in Babyschuhen, der modern und gleichzeitig klassisch wirkt. Am Gaumen gut eingebundene Tannine, tonnenweise Extrakt, Frucht und unendlich viel Power. Ein grosser Wein mit schier unbegrenztem Alterpotenzial. Eine absolute Trouvaille!
Gesamturteil: In 5–10 Jahren kaum zu toppen. 19-/20
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L’Abeille de Fieuzal 2015

Château de Fieuzal, Pessac-Léognan AC, Bordeaux
Rubrik: Klasseweine
Trauben: Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon, Merlot
Jahrgang: 2015
Preis: Ca. CHF 29.–
Degustiert: 2/20, eingereicht von Riegger AG
Freudiger: Dunkles Granat. Klassische Bordeaux-Nase mit etwas roter Peperoni und viel dunkler Frucht, die sich auch am Gaumen wiederfindet. Nach einem betörend süssfruchtigen Auftritt treten Brombeernoten auf, begleitet von Mocca. Tolle Aromatik, recht üppig und erstaunlich breitschultrig. Der Wein präsentiert sich verblüffend trinkreif, mit Bordeaux-Aromatik bis zum Abwinken. Einzig im eher kurzen Abgang zeigt sich ein Abstand zum Erstwein des Gutes.
Gesamturteil: Ein toller, sehr bezahlbarer Bordeaux-Spass nicht nur für Einsteiger: 17-/20
Kaletsch: Dunkles Purpur. Verführerisch-reife und würzige Nase im Bordeaux-Stil mit Frucht, etwas Teer und Leder. Am Gaumen die grosse Überraschung: bereits jetzt zugänglich und damit (auch) ein Wein für Gastronomie-Betriebe. Mittlere Länge und feine Tannine, die sich erst am Schluss bemerkbar machen. Ein klassischer Bordeaux, der auf «ready to drink» getrimmt ist.
Gesamturteil: Wer keinen Keller zum Lagern hat: zugreifen! 17/20
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Phaunus 2017 (Pet Nat)

Vinho Espumante Branco, Vasco Croft, Casal do Paço Padreiro, Arcos de Valdevez, Portugal
Rubrik: Alltagsweine
Trauben: 100% Loureiro
Jahrgang: 2017
Preis: Ca. CHF 20.–
Degustiert: 2/20
Freudiger: Dunkles, etwas mattes und leicht trübes Gelb. Beim Einschenken munterer Schaum, dann aber keine Bläschen. Man riecht Brioche à discrétion, dazu Apfel, Quitten und Stachelbeere. Am Gaumen easy, charmant, mundfüllend, knochentrocken, mit deutlichen Apfelnoten, die immer deutlicher werden. Man beginnt schon fast Apfelsorten aufzuzählen. Der Abgang dominiert von einer zarten Säure.
Gesamturteil: Organisch, aber charmant: 15/20
Kaletsch: Mittleres Orangegelb mit leichter Trübung. Sehr frische, einladende Nase mit Apfel- und Aprikosenaromen, schwache Perlage. Auch am Gaumen frisch, mit aufregender Struktur, die alles andere als homogen wirkt. Süffig und ohne störende Säure, leicht salziger Abgang. Mitreissende, sehr lebendige Aromatik, die aus diesem Naturwein mit 11 Prozent Alkohol ein neuartiges, sehr erfreuliches Schaumwein-Trinkerlebnis macht.
Gesamturteil: So macht PetNat (Pétillant naturel) Freude: 17-/20
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Parcelle No. 982 Grand Cru 2017

Séléction Nature, Domaine de la Ville de Morges
Rubrik: Klasseweine
Trauben: 100% Gamay
Jahrgang: 2017
Preis: Ca. CHF 22.– (Normalformat)
Degustiert: 2/2020, eingereicht von Yves Beck
Freudiger: Helles Rot mit Violettreflexen. Süsser Auftakt mit Erdbeermarmelade. Am Gaumen eher schlank, sehr lebendig, komplex, gleichzeitig eine gewisse Stoffigkeit. Mit der Zeit treten Kaffeenoten auf. Langer Abgang mit seidenfeinen Gerbstoffen. Der Wein vermag in allen Hinsichten zu punkten, und trotzdem will nichts so recht zusammen zu passen. Von Harmonie keine Spur; und von Sortentypizität schon gar nicht.
Gesamturteil: Ein anspruchsvolles Naturwein-Erlebnis: 14,5/20
Kaletsch: Mittelhelles Purpur mit violettem Einschlag. Äusserst fruchtig-beerige Nase mit aufregend-wilder, ungewohnter Aromatik. Am Gaumen nicht sehr dicht oder konzentriert, dafür mit überraschender Länge. Eine wilde Achterbahnfahrt der Struktur und der Aromen: Anfangs sogar etwas Kohlensäure, viel Primärfrucht, am Ende leichte Bitternoten, die aber nicht stören. Sehr bekömmlich. «Jamais Gamay» war einmal: mehr davon!
Gesamturteil: Kampf dem Mainstream! 17+/20
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Kiedrich Gräfenberg Auslese 1997

Weingut Robert Weil, Rheingau, Kiedrich
Rubrik: Klasseweine
Trauben: 100% Riesing
Jahrgang: 1997
Preis: Ca. CHF 70.– (Normalformat)
Degustiert: 12/2019, eingereicht von Zapfenzieher
Freudiger: Funkelndes Rotgold mit zarten Kupferklängen. Eine Nase wie ein Gummiboot, gefüllt mit in Petrol getunkten Fahrradschläuchen, dazu üppig kandierte Ananas. Wers mag… Am Gaumen ölige Konsistenz. Flüssige Rosinen und Aprikosen wälzen sich um den Gaumen und rinnen dann langsam und Engelschoräle singend den Hals runter. Nochmal gaaaanz viel Aprikose. Erstaunlicherweise bleibt der Eindruck von etwas Leichtfüssigem, Mineralischem zurück. Kein Dessertwein, sondern ein Dessert. Perfekte Trinkreife.
Gesamturteil: Für mich persönlich überladen, für Fans wohl 19/20
Kaletsch: Sattes Dunkelgelb mit deutlichen Orange-Reflexen. Üppig reife Nase mit Aromen von getrockneten Bananen, Honig und klar erkennbaren Reifenoten (Petrol, Gummi). Am Gaumen dann überraschend schlank, mit nach wie vor toller Aromatik, aber ohne jede störende Mastigkeit. Perfekte Struktur: Die Säure stützt, drängt sich aber nicht in den Vordergrund. Just wow!!
Gesamturteil: Purer Trinkspass: 19–/20
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Monte da Raposinha Tinto 2017

Vinho Regional Alentejano, Monte da Raposinha, Montagril, Portugal
Rubrik: Alltagsweine
Trauben: Alicante, Tourriga Nacional
Jahrgang: 2017
Preis: Ca. CHF 17.–
Bezugsquelle: La Passion du Vin
Degustiert: 12/2019, eingereicht von La Passion du Vin
Freudiger: Violettes Rubin. Verführerische Nase mit allerlei dunkler Frucht, sehr ausgewogen, diskrete Holznoten und Kaffee. Auftritt wie sonnendurchglühte Erde, saftig und würzig, dazu Zwetschgenkompott, sehr stoffig wirkend. Gute Substanz, perfekt strukturiert, wenn auch mit etwas wenig Säure. Heftige, derzeit leicht bitter wirkende Gerbstoffe geben dem Wein Reserve für fünf Jahre oder mehr. Aber: Ist genügend Säure vorhanden? So oder so: tolles Preis-Leistungsverhältnis.
Gesamturteil: Einer Fahrt im Cabrio durch die Weite des Alentejo: 16,5/20
Kaletsch: Mittleres Purpurviolett. Frische, primärfruchtige Nase. Am Gaumen recht ungehobelt: ruppige Gerbstoffe, die am Ende arg adstringieren. Trotz frischer Säure in der Mitte eher dünn. Ein rustikaler, beinahe wilder Wein, der aktuell noch zu jung erscheint. Von Eichenholzwürze ist wenig zu spüren.
Gesamturteil: Ob Lagerung hilft? 15,5/20
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Humagne Rouge 2014

Grand Brûlé, Domaine de l'état du Valais, Leytron
Rubrik: Alltagsweine
Trauben: 100% Humagne Rouge
Jahrgang: 2014
Preis: CHF 19.–
Degustiert: 12/2019, eingereicht von Zapfenzieher
Freudiger: Rubin mit einem Hang zum Violetten. Eher diskrete, rotfruchtige, feinstoffige Nase mit etwas Leder und Holznoten. Unerwartet samten im Antrunk, Wildkirsche. Es geht sanftmütig weiter, alles sehr ruhig und entspannt. Kein Blender, kein Holz im Spiel. Im Abgang derzeit noch etwas ruppig, aber die Gerbstoffe dürften sich noch einbinden. Von der Substanz her ist Potenzial vorhanden, aber fürs Altern fehlt wohl etwas Säure.
Gesamturteil: Erstaunlich zahmer Humagne-Genuss: 15/20
Kaletsch: Mittleres Rubinrot. Frische, jugendliche Nase mit viel Beerenfrucht, sehr einnehmend. Am Gaumen dann eine deutliche Diskrepanz: kräftige, adstringierende Gerbstoffe und etwas wenig Säure, alles andere als ein Trinkspass. Ein wilder Geselle, der sich noch nicht in bester Genussreife präsentiert.
Gesamturteil: Wenn der Gaumen hielte, was die Nase verspricht: 15+/20
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Crozes-Hermitage 2016

AC, Domaine Alain Graillot
Rubrik: Klasseweine
Trauben: 100% Syrah
Jahrgang: 2016
Preis: Ca. CHF 29.–
Bezugsquelle: La Passion du Vin
Degustiert: 12/2019, eingereicht von La Passion du Vin
Freudiger: Jugendliches Rot mit leichten Violettreflexen. Superintensive Nase mit Kräutern des Südens, vor allem getrockneter Thymian. Riecht etwas nach Pferdestall, aber ganz grosses Kino. Wuchtig-nobler, verführerischer Auftritt mit viel Pflaumenfrucht, dazu Leder, Kaffee und Röstaromen. Dann wieder dunkle kompottartige Frucht aber ohne irgendwie fett zu wirken. Gewieher auch am Gaumen. Viel Substanz, bereits schön ausbalanciert, beträchtliches Potenzial. Rhône pur und mit all den Pferden definitiv ein Wein für ganze Kerle.
Gesamturteil: Anfänger und zartbesaitetes Volk: Finger weg! Potenzial für 18,5/20
Kaletsch: Mattes Purpurrot mit violetten Schimmern. Bemerkenswerte Nase mit viel schwarzbeeriger Frucht, Röstaromen, ersten animalischen Reifenoten und einigen grasigen Nuancen – so gut, dass man sich darin verlieren könnte. Der Gaumen komplettiert das umfassende Weinerlebnis: markantes Gerbstoffgerüst, viel Würze, eine präsente Säure sowie eine aristokratische Länge und Intensität, alles perfekt ausbalanciert.
Gesamturteil: Bitte noch liegen lassen: 17,5/20 (Potenzial: 18+)
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Pinot Noir Keller am See 2015

Keller am See, Bielersee AOC, Christian Dexl, Bipschal
Rubrik: Klasseweine
Trauben: 100% Pinot Noir
Jahrgang: 2015
Preis: Ca. CHF 28.–
Degustiert: 12/2019
Freudiger: Durchscheinendes Granat mit Braunreflexen (!), zurückhaltende aber edle, eichen-parfümierte Pinot-Nase mit Waldfrüchten und etwas Herbstlaub; leicht störender Alkoholton. Im ersten Eindruck burgundisch warm, mit zarter Frucht. Dann mundfüllend-stoffig und zunehmend mächtig wirkend. Holz gut eingebunden, schöne Struktur. Gute Substanz, hat noch Potenzial.
Gesamturteil: Untypisch für den See, aber das lässt man sich gefallen 16+/20
Kaletsch: Mittelhelles Rot mit bräunlichem Einschlag. Defensive Nase mit dominierender Holznote, etwas Frucht und einem Anflug von Aceton, wirkt aktuell eher reduktiv. Am Gaumen überraschen die breite Aromatik und die respektable Länge. Schönes Gerbstoffgerüst. Wirkt für einen Pinot Noir vom Bielersee eher kräftig und wild. Hat durchaus noch Potenzial und pfeift ganz offensichtlich auf aristokratische Eleganz.
Gesamturteil: Beweist nicht nur mit der Etikette Stil: 17–/20
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